Warum der A1200 der perfekte Retro-Amiga für mich ist

Name und Titelbild meines Blogs verraten es bereits: ich bin ein Commodore-Kind. Meinen C64, den ich an Weihnachten 1984 geschenkt bekam, habe ich damals haargenau 950 Tage lang bespielt, bevor der „Brotkasten“ am 1. August 1987 einem Amiga 500 Platz machen musste.

Der Amiga hat mich stolze sieben Jahre begleitet und damit nicht nur meine Jugend, sondern auch mein Verhältnis zu sowie mein Verständnis von Computern entscheidend geprägt.

1994 legte ich mir den ersten PC zu und bewahrte meine Leidenschaft für die Commodore-Rechner fortan mit der Hilfe von Emulatoren wie CCS64 und UAE.

Seit einigen Jahren hat mich jedoch das Retro-Fieber gepackt und ich fing an, verschiedene Commodore 64-Modelle zu sammeln und zu pflegen. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis ich den Wunsch verspürte, auch einen Amiga wieder mein Eigen zu nennen.

Welcher Amiga darf’s denn sein?!

Nur welchen Amiga sollte ich ins Auge fassen?! Immerhin baute Commodore zwischen 1985 und 1994 über zehn verschiedene Modelle, CDTV und CD³² nicht mitgezählt.

Da hilft es, sich erst mal über das eigene Anforderungsprofil klar zu werden. Ich wollte einen Amiga, mit dem ich die vielen schönen Spieleklassiker aus meiner Jugendzeit wieder zocken und Stunden damit zubringen könnte, auf dem Sofa lümmelnd Demos anzuschauen, die ich damals mindestens genauso geliebt habe wie die Games.

Eine gigantisch große Diskettensammlung, wie ich sie damals besaß, wollte ich mir unter keinen Umständen wieder ans Bein binden – ein Amiga mit Festplatte wäre also genau das Richtige für meine Zwecke.

Ein Dektop-Rechner kam schon mal nicht in Frage, obwohl der Amiga 1000 für mich zu den schönsten Computern zählt, die bis heute gebaut wurden. Aber es fehlte einfach der Platz, ein komplettes System mit Desktop-Gehäuse, Tastatur und Monitor dauerhaft in die gemeinsame Wohnung zu stellen.

Blieben also nur noch die Tastaturcomputer Amiga 500 bzw. A500 Plus, der A600 und der A1200 in der engeren Auswahl.

Nach sorgsamem Abwägen aller Vor- und Nachteile legte ich mich schließlich auf den Amiga 1200 fest. Er ist ein vergleichsweise kompakt gebauter, relativ leichter und gut transportabler All-in-One-Heimcomputer in einem sehr schicken weißen Gehäuse und trotz seiner geringen Maße sehr gut erweiterbar.

Der A1200 ist von Haus aus mit dem AGA-Chipsatz ausgestattet und damit in der Lage, die für diesen Chipsatz der letzten Amiga-Generation optimierte Software abzuspielen.

An seinem 23-poligen Sub-D-Stecker auf der Rückseite liegt ein RGB-Videosignal an, welches man mit einem entsprechenden Adapterkabel auf VGA-Monitore oder TV-Geräte mit SCART-Anschluss transportieren kann. Für meine Spiele und Demos genügt mir die RGB/SCART-Lösung am Fernseher auf jeden Fall. Wer länger, intensiver und professioneller mit dem Amiga arbeiten möchte, kann sich einen Flickerfixer zulegen, von denen es sogar Varianten gibt, die im Gehäuse des A1200 Platz finden.

An der Unterseite des Computers befindet sich hinter einer „trapdoor“ genannten Klappe der Erweiterungsschacht für Turbokarten und/oder Speichererweiterungen, von denen es nicht nur eine Vielzahl alter und gebrauchter gibt, sondern sogar Neuentwicklungen.

So verrichtet in meinem A1200 mittlerweile eine ACA1233n von Individual Computers ihren Dienst. Sie ist mit einer Motorola 68030 CPU (40 MHz) und 128 MB RAM ausgestattet und beschleunigt den Amiga 1200 fast auf die doppelte Rechenleistung eines Amiga 3000 im Originalzustand.

Weiterhin verfügt der A1200 über einen ATA-Controller und eine interne IDE-Schnittstelle für den Anschluss einer 2,5″-Festplatte, die problemlos ins Gehäuse passt. Die IDE-Schnittstelle eröffnet dem Amigianer heutzutage aber eine ganz andere Welt, weit jenseits dessen, was man sich damals hätte träumen lassen. In diese Welt einzutauchen und die Leser auf diese Reise mitzunehmen ist Sinn und Inhalt der folgenden Abschnitte.

Einsatz einer CompactFlash-Speicherkarte als Festplatte im Amiga 1200

Commodore lieferte den Amiga 1200 gegen Ende des Jahres 1992 in drei Varianten aus. Das Basismodell A1200 kam ohne eingebaute Harddisk daher, während der A1200HD von Haus aus eine 2,5″-Festplatte mit 20 MB Speicherkapazität mitbrachte. Das Flaggschiff, der A1200HD/40 hatte sogar „satte“ 40 MB unter der Haube. Erfreulicherweise verzichtete Commodore beim A1200 lediglich auf die Festplatte selbst, d.h. auch die Platine des Basismodells verfügt über ATA-Controller und IDE-Anschluss, sodass sich ein kompatibler Massenspeicher einfach nachrüsten lässt.

Nun hat sich im Bereich der Massenspeicher von 1992 bis heute eine ganze Menge getan, um es vorsichtig zu formulieren. Würde man zum Beispiel die Fotos einer aktuellen digitalen Spiegelreflexkamera auf der Festplatte des A1200HD speichern wollen, so wäre diese spätestens nach dem dritten (!) Bild voll, während eine daumennagelgroße Speicherkarte locker die hundert- bis tausendfache Datenmenge aufnimmt.

Was läge da näher, als den Amiga mit einem solchen Speichermedium auszustatten?!

Eine beliebte Lösung, die sich in der Praxis bewährt hat, stellt der Einsatz von CompactFlash (CF) Speicherkarten dar.

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Die CompactFlash-Speicherkarte meiner Wahl – ich habe drei Stück davon als Amiga-HDs im Einsatz und sie haben sich als sehr zuverlässig erwiesen.

Möglich wird dies dank eines CF-IDE-Adapters (44-Pin), mit dem eine handelsübliche CompactFlash-Speicherkarte anstelle einer 2,5″-Festplatte im Amiga 1200 betrieben werden kann. Die Vorteile gegenüber einer herkömmlichen Harddisk liegen auf der Hand – die CF arbeitet geräuschlos, entwickelt so gut wie keine Wärme und verbraucht weniger Strom. Letzteres ist gerade bei zusätzlichem Einsatz einer Turbokarte nicht zu unterschätzen und hilft, das Netzteil des Amiga zu entlasten. Die Stromversorgung des Adapters erfolgt dabei über den IDE-Anschluss, d.h. er wird einfach mit einem 44-poligen IDE-Kabel angeschlossen und das war es auf der Hardwareseite auch schon.

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Mein CompactFlash-auf-IDE-Adapter – unten der Einschub für die CF-Karte, oben der Anschluss für das IDE-Kabel.

Zudem ist eine solche Lösung vergleichsweise kostengünstig. Ein geeigneter Adapter inklusive IDE-Kabel kostet weniger als zehn Euro und eine 4 GB fassende CF-Karte liegt ebenfalls in diesem Preisbereich. Es gibt eine ganze Reihe von Herstellern und Anbietern solcher Adapter – hier kann und möchte ich keine Empfehlung aussprechen, aber wer im Netz nach „IDE CF Adapter Amiga“ sucht, dürfte sofort fündig werden. Alle Adapter zeichnen sich durch eine kompakte Bauweise aus – meiner zählt da noch zu den größten seiner Art – sie lassen sich alle problemlos im Gehäuse eines Amiga 1200 unterbringen.

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Ein sehr kurzes (5 cm) IDE-Kabel, ein Kabelbinder und der originale Festplattenschlitten – so habe ich den Adapter in meinem Amiga 1200 untergebracht.

Neben den bereits erwähnten Vorteilen reizt mich an dieser Lösung aber vor allem, dass sich die „CF-Festplatte“ neben dem Betrieb in einem echten Amiga auch in einer emulierten Umgebung unter Windows (vermutlich auch unter Mac OS und Linux – nur kann ich das selbst nicht überprüfen) einsetzen lässt. Voraussetzung dafür ist ein interner oder externer Kartenleser sowie die entsprechende Emulationssoftware – in meinem Fall WinUAE (für Mac OS und Linux gibt es z.B. FS-UAE). Somit bin ich auch in der Lage, ein oder gar mehrere komplette Amiga-Systeme in meiner Hosentasche mitzunehmen und damit wann und wo ich möchte weiter zu arbeiten, selbst wenn ich den Amiga gerade nicht zur Hand habe.

Unter einer solchen Emulationsumgebung lässt sich eine CF-Karte sogar komplett als Festplatte einrichten, konfigurieren und ein Betriebssystem darauf installieren, bevor sie schließlich im echten Amiga zum Einsatz kommt. Wie genau das vonstatten geht, möchte ich hier in einem kleinen bebilderten Tutorial zeigen. Natürlich kann ich keinerlei Haftung übernehmen, noch dafür garantieren, dass meine Anleitung unter jeder erdenklichen Hardware/Software-Konfiguration funktioniert, aber zumindest habe ich die komplette Einrichtung auf zwei verschiedenen Computern mit Windows 7 beziehungsweise Windows 10 erfolgreich durchgeführt – und zwar jeweils mit den 64bit-Versionen von Windows und WinUAE-Emulationssoftware.

Einrichtung einer CompactFlash-Festplatte für den A1200 unter WinUAE

Bevor wir mit der Einrichtung unter der im vorangegangenen Abschnitt beschriebenen Umgebung beginnen können, benötigen wir natürlich noch das passende Betriebssystem. In unserem Fall wählen wir AmigaOS in der Version 3.1 – das letzte von Commodore selbst entwickelte Betriebssystem für den Amiga, welches 1994 noch zusammen mit dem A1200 und A4000 ausgeliefert wurde.

Obwohl Commodore International vor mehr als 22 Jahren in die Insolvenz ging, steht AmigaOS 3.1 bis heute leider nicht kostenlos zur Verfügung. Die gute Nachricht ist jedoch, dass es bei Amiga Forever (als Bestandteil der Plus oder Premium Edition) legal erworben werden kann. In dem Paket befinden sich neben der Amiga Forever Emulationssoftware (auf Basis von WinUAE) die Disketten-Images für die Workbench 3.1 und auch die passenden Kickstart-ROM-Images, ohne die eine Amiga-Emulation sowieso nicht funktioniert. Der Großteil der original Commodore Amiga 1200 Computer wurde mit Kickstart 3.0 ausgeliefert, erst kurz vor der Insolvenz lieferte Commodore den A1200 mit dem überarbeiteten Kickstart 3.1 aus. Die späteren Escom-Modelle des A1200 waren alle mit der Version 3.1 bestückt.

Tatsächlich beinhaltet das Kickstart die wesentlichen Teile des Betriebssystems beim Amiga, wie den Kernel und das Disk Operating System. Bei fast allen Amiga-Modellen befindet sich das Kickstart in einem oder zwei ROM-Baustein(en) auf der Platine des Computers. Die Ausnahme bildet der Amiga 1000, bei dem das Kickstart noch von einer Bootstrap-Diskette in den WCS (Writeable Control Store) geladen wurde.

Soll unsere CF-Festplatte also später in einem echten Amiga 1200 verwendet werden, sollte man bei der Konfiguration seines emulierten A1200-Systems das Kickstart-ROM-Image wählen, mit dem auch der echte Rechner ausgestattet ist, also entweder 3.0 oder 3.1. Darüber, welches Kickstart im A1200 seinen Dienst verrichtet, gibt der Startbildschirm direkt nach dem Einschalten des Computers Auskunft.

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Startbildschirm des Amiga 1200 mit Kickstart-ROM in der Version 3.1

Der Workbench 3.1-Diskettensatz von Amiga Forever ist sowohl mit Kickstart 3.0 als auch 3.1 kompatibel und besteht aus den folgenden sechs ADF-Images, die wir im Laufe der Installation benötigen:

  • Amiga OS 3.1 – Install (bootfähig)
  • Amiga OS 3.1 – Workbench (bootfähig)
  • Amiga OS 3.1 – Locale
  • Amiga OS 3.1 – Extras
  • Amiga OS 3.1 – Fonts
  • Amiga OS 3.1 – Storage

Es empfiehlt sich, alle sechs ADF-Dateien zusammen in einem Ordner auf der Festplatte des PCs abzulegen, um sie im Laufe der Installation jederzeit griffbereit zu haben.

Dann brauchen wir natürlich eine geeignete CompactFlash-Speicherkarte. Das originale Dateisystem des Amiga 1200, das sogenannte Amiga Fast File System (FFS) arbeitet mit 32-Bit und kann daher maximal 4 GB adressieren. Wer sich damit nicht zufrieden geben mag, kann dem Amiga ein gepatchtes FFS oder ein alternatives Dateisystem wie zum Beispiel das Smart File System (SFS) verpassen oder gleich zu AmigaOS 3.5 oder 3.9 greifen. All diese Lösungen würden aber den Rahmen dieses Tutorials sprengen und daher verwenden wir hier eine CompactFlash-Karte mit 4 GB. Und mal ganz ehrlich, für die allermeisten Anwender reichen 4 GB Festplattenspeicher in einem Amiga auch locker aus – das ist Platz genug für hunderte von Spielen, Demos und Programmen.

Genug der Theorie, legen wir endlich los!

Ich setze an dieser Stelle einfach mal voraus, dass es sich um eine neue, bisher unbenutzte CF-Karte handelt. Wir stecken sie nun in den entsprechenden Slot am PC oder dem angeschlossenen Kartenleser. Die allermeisten Karten dürften vom Hersteller vorformatiert sein – Windows erkennt die Karte nach dem Einlegen und bietet das bekannte Auswahlmenü an, in dem man sich u.a. den Inhalt der Karte anzeigen lassen kann – i.d.R. natürlich einen leeren Wechseldatenträger. Ist dies der Fall, sehen wir uns auch schon dem ersten kleinen Problem gegenüber. Würden wir nämlich die Einrichtung der Karte in diesem Zustand unter WinUAE fortsetzen, sähen wir uns relativ früh mit folgender Fehlermeldung konfrontiert.

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WinUAE erkennt während der Konfiguration als Amiga-Festplatte, dass sich auf dem Datenträger eine Partition eines Amiga-fremden Dateisystems befindet und verweigert das Fortsetzen des Prozesses. Schuld daran ist der Master Boot Record (MBR) der sich auf der frischen CF-Karte befindet. Im echten Amiga wäre dies kein Hindernis, da dort kein zweites Betriebssystem parallel auf das Speichermedium zugreift.

Zum Glück hat Windows mit dem kleinen Befehlszeilentool DiskPart das passende Werkzeug zur Lösung des Problems gleich mit an Bord. Vor dem Start von DiskPart empfiehlt es sich, alle nicht benötigten Wechseldatenträger wie externe Festplatten oder USB-Sticks aus dem System zu entfernen, um den richtigen Datenträger einfacher und schneller identifizieren zu können. Anschließend rufen wir DiskPart über „Start -> Ausführen -> diskpart“ oder über die Tastenkombination [Windows-Taste] + [R] -> „diskpart“ auf und bestätigen mit [Enter] oder Klick auf „OK“.

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Je nach Rechnerkonfiguration und je nachdem, wie viele Laufwerke und Wechseldatenträger im System eingebunden sind, kann es etwas dauern, bis der blinkende Cursor hinter „DISKPART>“ signalisiert, dass das Tool bereit ist und auf Eingaben vom Benutzer wartet.

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Mit „List Disk“ können wir uns eine Liste aller Datenträger im System anzeigen lassen und anhand derer herausfinden, hinter welcher Nummer unsere CF-Karte steckt. Im Beispiel oben ist das aufgrund der sehr unterschiedlichen Größen zum Glück einfach: Datenträger 0 (1863 GB) ist die 2 TB große Festplatte unseres Windows-Systems, also kommt nur Datenträger 1 (die 3831 MB entsprechen den 4 GB unserer CF-Karte) in Frage.

Wir wählen unsere CF-Karte nun mit „Select Disk 1“ aus, was uns DiskPart auch sofort schriftlich bestätigt.

ACHTUNG! Die Nummer des Datenträgers unterscheidet sich natürlich von System zu System und man sollte sich wirklich zu 100% sicher sein, dass man die CF-Karte ausgewählt hat, die man mit DiskPart bereinigen möchte. Andernfalls hat man nach dem nächsten Schritt nämlich ein deutlich größeres Problem!

Jetzt bereinigen wir den gerade ausgewählten Datenträger mit dem Befehl „Clean“ – dieser entfernt alle Partitions- oder Volumeformatierungen des Datenträgers, wie es in der technischen Referenz zu DiskPart heißt. Anschließend können wir das Tool mit „Exit“ beenden und schließen.

Sollte Windows an dieser Stelle jetzt eingreifen und den gerade mit DiskPart behandelten Datenträger formatieren wollen: diesem Wunsch auf keinen Fall nachkommen und auf „Abbrechen“ klicken!

Wir belassen die CF-Karte im Kartenleser und starten (endlich!) WinUAE – und zwar idealerweise als Administrator, denn nur so ist ein reibungsloser Zugriff auf alle Laufwerke und Wechseldatenträger des Systems garantiert.

Um WinUAE grundsätzlich als Administrator auszuführen, gelangen wir mit einem Rechtsklick auf das WinUAE-Icon auf dem Desktop ins „Eigenschaften“ Menü. Dort klicken wir auf „Erweitert“, setzen den Haken bei „Als Administrator ausführen“ und bestätigen danach zweimal mit Klick auf „OK“.

Ich setze an dieser Stelle wieder einmal voraus, dass im Emulator bereits ein A1200-System so konfiguriert ist, dass es dem echten Amiga 1200, in dem man die CF-Festplatte später verwenden möchte, so weit wie möglich entspricht mit Blick auf den Prozessor/Co-Prozessor, Kickstart-ROM Version, Ausstattung mit Fast-RAM usw. Auf gar keinen Fall sollte man die Emulation beschleunigen, sondern auf eine möglichst exakte Imitation des Originalsystems achten. Ist dies gegeben, klicken wir im Hardware-Menü auf den Unterpunkt „CD & Hard drives“.

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Hier bietet uns WinUAE diverse Möglichkeiten, u.a. kann man einen Ordner unter Windows als Amiga-Festplatte definieren, eine Festplatten-Imagedatei (.hdf) einbinden oder neu anlegen, aber eben auch eine echte physikalische Festplatte auswählen. Und genau dies tun wir, indem wir auf „Add Hard Drive…“ klicken.

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Der Inhalt des folgenden Auswahlmenüs hängt natürlich wiederum davon ab, wie viele Laufwerke und Wechseldatenträger am System hängen. Unsere CompactFlash-Karte erkennen wir sofort an ihrer Bezeichnung. Dass die Bereinigung des Datenträgers mit DiskPart erfolgreich war, erkennen wir an dem vorangestellten „[UNK]“ für „unknown“ – sollte hier stattdessen noch „[MBR]“ stehen, war die Bereinigung nicht erfolgreich oder es wurde doch versehentlich ein anderer Datenträger bereinigt [Panikmodus]. 😉

Nachdem wir die CompactFlash-Karte ausgewählt haben, müssen wir unbedingt darauf achten, dass der Haken bei „Read/write“ gesetzt ist, bevor wir mit „Add hard drive“ fortfahren.

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Wir haben die CF-Karte jetzt in unser virtuelles Amiga-System eingebunden. In den nächsten Schritten richten wir sie als Festplatte ein. Der Schlüssel dazu ist die Install-Diskette von AmigaOS 3.1 – sie dient nicht nur zur Installation des Amiga-Betriebssystems, sondern beinhaltet auch die nötigen Tools zur Konfiguration einer Festplatte im Amiga.

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Wir klicken im Hardware-Untermenü „Floppy drives“ auf den „[…]“-Button rechts von „Eject“ beim Diskettenlaufwerk mit der Bezeichnung „DF0:“ (entspricht dem internen Diskettenlaufwerk des Amiga 1200) und wählen die entsprechende ADF-Imagedatei (amiga-os-310-install.adf) aus dem AmigaOS 3.1-Diskettensatz aus. Ganz wichtig ist, darauf zu achten, dass unsere Diskette nicht schreibgeschützt ist – der Haken bei „Write-protected“ also nicht gesetzt ist.

Mit einem Klick auf „Start“ booten wir unseren emulierten A1200 nun von der Install-Diskette aus. Dieser Vorgang dauert naturgemäß einige Sekunden, dann begrüßt uns ein rudimentärer Workbench-Bildschirm.

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Sieht das nicht wunderschön aufgeräumt und übersichtlich aus?!  🙂

Hinter dem Icon mit der Bezeichnung Install3.1 verbirgt sich der Inhalt der Diskette, von der wir den Amiga soeben gebootet haben. Von der Festplatte ist weit und breit nichts zu sehen – kein Wunder, sie muss von uns ja erst eingerichtet werden. Hierzu schauen wir uns den Inhalt der Install-Diskette an, indem wir doppelt auf ihr Icon klicken. Es erscheint ein neues Fenster auf der Workbench (wenn man so will das Pendant zum Desktop in Windows-Systemen) mit den drei Ordnern „Install“, „HDTools“ und „HDSetup“.

Uns interessiert der Inhalt des Ordners HDTools, den wir uns durch einen weiteren Doppelklick auf den Bildschirm holen. Er beinhaltet die beiden Programme „HDBackup“ sowie die „HDToolBox“. Mithilfe der HDToolBox lassen sich Festplatten im Amiga einrichten und partitionieren. Standardmäßig greift das Programm über den „scsi.device“ Treiber auf den IDE-Controller des A1200 zu und sucht dort nach angeschlossenen Festplatten. Da unsere designierte CF-Festplatte aber noch nicht in einem echten Amiga steckt und stattdessen von WinUAE verwaltet wird, müssen wir der HDToolBox einen anderen Treiber zuweisen.

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Dazu klicken wir einmal (!) mit der linken Maustaste auf das HDToolBox-Icon, halten dann die rechte Maustaste gedrückt, wählen aus dem Pulldown-Menü „Icons“ den Unterpunkt „Information…“ aus und lassen dann die rechte Maustaste los. Die Älteren unter uns erinnern sich noch an die aus heutiger Sicht ungewöhnliche Menüsteuerung und plötzliche Krämpfe im Mittelfinger. 😉

Hinter „Information…“ verbirgt sich das, was wir in Windows gemeinhin unter „Eigenschaften“ kennen und verstehen.

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Hier klicken wir nun in der mit „Tool Types:“ bezeichneten Liste auf den Eintrag „SCSI_DEVICE_NAME=scsi.device“ (i.d.R. ist es der erste Eintrag in der Liste) und können den Eintrag dann in der Zeile unterhalb der Liste wie folgt edieren:

„SCSI_DEVICE_NAME=uaehf.device“

Achtung! Hier kommt eine Eigenart vom AmigaOS ins Spiel – es genügt nämlich nicht, den Eintrag zu edieren und dann mit der Maus auf „Save“ zu klicken – wir müssen die Änderung in der Eingabezeile unbedingt mit der [ENTER]-Taste bestätigen, erst dann wird sie übernommen und dementsprechend auch in der Liste reflektiert.

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Jetzt können wir bedenkenlos „Save“ anklicken und damit die Änderung des Gerätetreibers in der HDToolBox abschließen. Deswegen ist es übrigens auch so wichtig, dass die Diskette nicht schreibgeschützt ist.

Mit einem Doppelklick auf das HDToolBox-Icon starten wir jetzt das Programm und wenn wir vorher alles richtig gemacht haben, sollte es uns wie folgt begrüßen.

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Der mit einem blauen Balken hinterlegte Eintrag in der Liste zeigt uns, dass die HDToolBox eine Festplatte erkannt hat – so weit, so gut. Weiter geht es mit einem Klick auf „Change Drive Type“ (alle anderen Optionen sind eh ausgegraut).

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Handelt es sich um eine „jungfräuliche“ Install-Diskette, sollte der Auswahlkasten wie im obigen Screenshot leer sein. Andernfalls können sich hier durchaus auch alte Einträge von bereits eingerichteten Festplatten finden. Diese können wir aber einfach ignorieren, denn wir fahren mit einem Klick auf „Define New…“ fort. Nun befinden wir uns im „Define/Edit Drive Type“ Fenster.

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Hier edieren wir den Eintrag im ersten Feld „FileName:“ in „ram:junk“ und bestätigen wiederum mit [ENTER] – auf diese Weise verhindern wir, dass die im Folgenden vorgenommenen Laufwerksdefinitionen zurück auf die Diskette geschrieben werden. Anschließend lassen wir HDToolBox die Konfiguration unserer CF-Festplatte mit einem Klick auf den „Read Configuration“-Button auslesen. Es folgt ein allgemeiner Hinweis, dass möglicherweise nicht alle Informationen automatisch ausgelesen werden können, welchen wir mit einem selbstbewussten Klick auf „Continue“ verabschieden.

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Jetzt gilt es, Ruhe zu bewahren und sich von den angezeigten Werten, insbesondere der negativen Größe des Datenträgers, nicht verunsichern zu lassen.

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Der Grund hierfür liegt wieder einmal am Fast File System des AmigaOS 3.1, welches mit Systempartitionen (Bootable) oberhalb der 2 GB Grenze nicht zurecht kommt. Aber noch haben wir die Festplatte ja gar nicht partitioniert und genau deshalb können wir die angezeigten Werte ganz einfach ignorieren. Soll die HDToolBox anzeigen, was sie will – wir wissen es besser und fahren mit „OK“ fort. War die Liste unter „Set Drive Type“ vorhin noch leer, so finden wir hier nun unsere soeben definierte CompactFlash-Festplatte vor.

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Wir markieren jetzt in der Liste unsere neue Festplatte (falls sie nicht ohnehin schon ausgewählt ist) und setzen unsere Reise in der HDToolBox mit „OK“ fort.

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Nun sind wir zurück im Startfenster der HDToolBox, mit dem Unterschied, dass der Status der Festplatte jetzt nicht mehr „Unknown“, sondern „Changed“ lautet. Hier lauert eine fiese Stolperfalle der HDToolBox, denn erst, wenn wir mit einem Klick auf „Save Changes to Drive“ den Status auf „Not Changed“ setzen, sind die gerade ausgelesenen Informationen gespeichert.

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Im nächsten Schritt werden wir unsere Festplatte in zwei Partitionen aufteilen. Hierzu klicken wir jetzt auf „Partition Drive“.

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Wie bereits erwähnt, kommt das Fast File System nicht mit bootfähigen Systempartitionen klar, die größer als 2 GB sind und deshalb teilt das Partitionierungstool die Festplatte gleich so auf, dass die Systempartition („GDH0“, dargestellt als schwarzer Balken, man beachte auch den Haken bei „Bootable“) mit 1913 MB eben unterhalb dieser Begrenzung liegt.

An dieser Stelle ist es hilfreich, sich einmal die Dimensionen hinsichtlich des Speicherplatzbedarfs eines Amiga-Systems vor Augen zu halten. Ein frisch installiertes, „nacktes“ AmigaOS 3.1 benötigt gerade einmal etwas mehr als 3 MB (!) und selbst ein mit Tweaks, Tools und gängigen Programmen bis an die Zähne bewaffnetes OS 3.9 System kommt auf nicht viel mehr als 150 MB Festplattenspeicher.

Mit dem Wissen um den Speicherplatzbedarf eines Amiga-Betriebssystems werden wir die frische Festplatte nun so partitionieren, dass die bootfähige Systempartition 500 MB umfasst. Das lässt immer noch mehr als genug Luft für Erweiterungen auf der Systemebene und für Spiele, Demos, Programme und Mediendateien stehen dann ja satte 3,5 GB auf der zweiten Partition der Festplatte zur Verfügung. Dies ist natürlich nur ein „Serviervorschlag“ meinerseits, versteht sich von selbst. 😉

Um die Systempartition entsprechend anzupassen, verschieben wir den dreieckigen Regler unterhalb des schwarzen Balkens so weit nach links, bis wir bei roundabout 500 MB (hier: „Meg“) angelangt sind. So ganz exakt wird man die 500 MB mittels des Reglers nicht treffen können, dazu ist die Skala einfach nicht fein genug, aber das soll uns nicht weiter stören und belassen es in unserem Fall bei 503 MB.

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Nun widmen wir uns der zweiten Partition, die momentan noch mit einem schraffierten Balken dargestellt ist. Um sie zu bearbeiten, klicken wir einmal mit der linken Maustaste darauf, sodass der Balken nun schwarz dargestellt wird.

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Jetzt ist die zweite Partition („GDH1“) zur Bearbeitung bereit – man beachte auch den feinen Unterschied zur Systempartition, der sich im fehlenden Haken bei „Bootable“ offenbart.

Da wir vorhin die erste Partition verkleinert haben, klafft jetzt eine Lücke zwischen beiden Partitionen. Diese schließen wir, indem wir den schwarzen Balken der zweiten Partition mit gedrückter linker Maustaste ganz nach links schieben, bis sie nahtlos an die Systempartition (schraffierter Balken) anschließt.

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Die so entstandene Lücke zum „Ende“ der Festplatte hin schließen wir, indem wir das kleine Dreieck bis zum Anschlag nach rechts ziehen.

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Nun haben wir den gesamten zur Verfügung stehenden Speicherplatz unserer neuen Festplatte auf die zwei Partitionen GDH0 und GDH1 aufgeteilt, sind aber mit der Einrichtung noch nicht ganz fertig.

Wir klicken wieder unsere Systempartition GDH0 an und benennen sie bei der Gelegenheit in „DH0“ um – das ist zwar kein Muss, entspricht aber der Nomenklatur von Amiga-Laufwerken. Die Änderung nehmen wir im Kasten „Partition Device Name“ vor – und nicht vergessen, mit [ENTER] zu bestätigen.

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Jetzt setzen wir den Haken neben „Advanced Options“, woraufhin eine Handvoll zusätzlicher Eingabefelder und Buttons erscheinen. Uns interessiert aber lediglich die Schaltfläche „Change…“ – einen Mausklick weiter befinden wir uns im Fenster „File System Characteristics“.

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Hier widmen wir uns der Eingabefläche „MaxTransfer“ und edieren den vorgegebenen hexadezimalen Wert „0xffffff“ in „0x1fe00“.

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Unsere Eingabe schließen wir wie gehabt mit [ENTER] ab und bestätigen die Änderung mit einem Klick auf „OK“.

Wer erfahren möchte, warum gerade genau dieser Wert hier von Bedeutung ist, dem empfehle ich diesen Thread im English Amiga Board zur Lektüre. Ich könnte es unter keinen Umständen besser erklären. 😉

Dieses Prozedere nehmen wir jetzt noch mit der zweiten Partition vor, die wir in „DH1“ umbenennen und der wir ebenfalls einen „MaxTransfer“-Wert von „0x1fe00“ verpassen.

Die Partitionierung unserer CF-Festplatte ist damit abgeschlossen und mit einem Klick auf „OK“ gelangen wir zurück in das Startmenü der HDToolBox. Hier speichern wir die soeben vorgenommene Partitionierung mit „Save Changes to Drive“, woraufhin der Status wiederum von „Changed“ zu „Not Changed“ wechselt.

Zum Abschluss wird die HDToolBox über einen Klick auf „Exit“ beendet und es erscheint ein letzter Sicherheitshinweis, der uns darauf aufmerksam macht, dass wir den Amiga jetzt neu starten müssen, damit die Änderungen an unserer Festplatte endgültig wirksam werden.

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Die Install-Diskette der Workbench 3.1 bleibt dabei im Laufwerk – beim Booten von der Festplatte würde uns nämlich nichts weiter als ein knappes „Not a DOS disk in device DH0“ begrüßen – denn wir haben die Platte jetzt zwar partitioniert, jedoch noch nicht formatiert. Genau dies werden wir aber im nächsten Schritt tun. Wir rebooten den Amiga also durch einen Klick auf „Continue“ und siehe da: neben der Ram Disk und der Install3.1-Diskette tauchen nun auch unsere beiden Festplattenpartitionen „DH0:“ und „DH1:“ auf unserer Workbench auf.

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Bei genauerer Betrachtung sehen wir, dass der Bezeichnung unserer bootfähigen Systempartition (DH0:) ein „NDOS“ (für „No Disk Operating System“) angefügt wurde – ein Hinweis darauf, dass die Partition noch unformatiert ist. Dem Grund für den Zeichensalat hinter unserer zweiten Partition (DH1:) konnte ich leider nicht auf die Schliche kommen, aber ihm kommt zum Glück auch keine größere Bedeutung zu.

Formatieren wir also nun beide Partitionen unserer Festplatte und beginnen mit der Systempartition. Hierzu klicken wir einmal mit der linken Maustaste auf das „DH0:NDOS“-Diskettensymbol und navigieren dann mit gedrückt gehaltener rechter Maustaste ins Pulldown-Menü „Icons“.

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Nur das Nötigste! Das Diskettensymbol bei unserer Festplatte ist kein Versehen, sondern dem rudimentären System beim Booten von der „Install“-Diskette geschuldet. 😉

Dort wählen wir den Menüpunkt „Format Disk…“ aus und lassen die rechte Maustaste los, woraufhin sich kurze Zeit später das Fenster „Format – DH0“ öffnet. Hier finden wir auch noch mal die Größe der Partition (504 MB) bestätigt, die wir ihr in der HDToolBox zugewiesen haben.

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Wir können unserer Festplattenpartition an dieser Stelle auch noch einmal einen neuen eindeutigen Namen zuweisen – ich entscheide mich bei meinen Amiga-Systemen gerne für „System(DH0)“, aber das ist natürlich ganz dem Geschmack des Users überlassen. Wichtig ist hier nur wie immer, dass die Umbenennung per Druck auf [ENTER] bestätigt wird. Die voreingestellten Haken bei „Put Trashcan“, „Fast File System“ und „International Mode“ können belassen werden, ebenso der nicht gesetzte Haken bei „Directory Cache“.

Abschließend starten wir die Formatierung unserer Systempartition mit einem Klick auf „Quick Format“.

ACHTUNG! Bitte hier und auch in der Zukunft immer ausschließlich „Quick Format“ und nicht „Format“ auswählen! Zum einen ist der Formatierungsprozess dann viel schneller abgeschlossen, zum anderen kann das Formatieren mit der Option „Format“ unserer CF-Karte Schaden zufügen!

Meine Damen und Herren, werden Sie nun Zeuge des Auftritts des wohl argwöhnischten Betriebssystems aller Zeiten!

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Das System fragt uns, ob wir wirklich sicher sind, dass wir unser Laufwerk „DH0“ formatieren möchten. Selbstverständlich sind wir uns dessen sicher und klicken forsch auf „Format“.

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Dies ist kein Witz und auch keine Fälschung – AmigaOS 3.1 fragt uns tatsächlich nochmal, ob wir wirklich wissen, was wir da tun wollen! Ich kann nur vermuten, dass der hierfür verantwortliche Softwareentwickler damals ein traumatisches Erlebnis gehabt haben muss, das in mehreren durchgearbeiteten Wochenenden mündete. 😉

Wie dem auch sei, eine dritte Nachfrage bleibt uns zum Glück erspart und ein paar Sekunden später ist unsere Systempartition formatiert.

Dasselbe Prozedere lassen wir nun auch unserer zweiten Festplattenpartition angedeihen. Benennen wir sie zur einfachen Unterscheidung in „Daten(DH1)“ um – schließlich sollen hier später unsere Programme, Spiele, Demos und Mediendateien abgelegt werden.

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So präsentiert sich unsere Workbench, nachdem wir uns den Inhalt beider frisch formatierten Festplattenpartitionen per Doppelklick auf das jeweilige Icon haben anzeigen lassen. Bis auf den Papierkorb sind beide Laufwerke natürlich noch leer („0% full“). Außerdem bekommen wir den freien Speicherplatz angezeigt: 503 MB auf „System(DH0)“ beziehungsweise 3.318 MB auf „Daten(DH1)“ – dies ist die tatsächliche Kapazität, die uns nach der Formatierung unter AmigaOS 3.1 zur Verfügung steht.

Wir haben unsere CF-Festplatte nun so weit eingerichtet, dass wir Daten darauf speichern können, sei es unter einer emulierten Umgebung in WinUAE oder im echten Amiga 1200. Damit wir aber nicht mehr auf das Einlegen einer Systemdiskette angewiesen sind und stattdessen das Betriebssystem direkt von der Festplatte aus starten können, befasst sich der folgende Abschnitt mit der …

Installation von AmigaOS 3.1 auf unserer frisch eingerichteten CF-Festplatte

Hierfür können wir nahtlos dort weiter machen, wo wir im vorherigen Abschnitt aufgehört haben. Wir schließen der Übersicht halber die beiden Fenster unserer Festplattenlaufwerke „DH0“ und „DH1“, indem wir auf das kleine Rechteck links oben in der Ecke des jeweiligen Fensters klicken.

Jetzt öffnen wir wieder mal den Inhalt der Install3.1-Diskette durch einen Doppelklick und lassen gleich darauf den nächsten Doppelklick auf das Icon des „Install“-Ordners folgen.

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In diesem Ordner befindet sich das Installationsskript für AmigaOS 3.1, welches in zehn Sprachen zur Verfügung steht.

Mit einem Doppelklick auf das Icon für das deutschsprachige (oder welche der zur Auswahl stehenden Sprachen der geneigte Leser bevorzugen mag) Installationsskript fahren wir dementsprechend fort. Kurze Zeit darauf erscheint ein „System Request“-Fenster mit der Aufforderung, dass wir jetzt bitte die Diskette mit der Bezeichnung „LOCALE“ einlegen mögen.

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Um einen Diskettenwechsel in WinUAE vorzunehmen, müssen wir zunächst einmal das Menü des Emulators aufrufen. Dies geschieht mit einem Druck auf die F12-Taste – ein entsprechender Hinweis darauf ist auch am oberen Rand des WinUAE-Fensters zu finden.

Im Menü klicken wir unter „Hardware“ auf den Unterpunkt „Floppy Drives“ und klicken wieder auf den kleinen „[…]“-Button des Laufwerks „DF0:“.

Wenn wir zu Beginn alle sechs ADF-Dateien aus dem AmigaOS 3.1-Diskettensatz in ein und denselben Ordner auf der Festplatte (in meinem Fall „C:\Amiga OS 310\“) abgelegt haben, sollten wir auf Anhieb das passende File „amiga-os-310-locale.adf“ finden. Durch einen Klick darauf wählen wir es aus und klicken auf „Öffnen“.

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Nun liegt die gewünschte „LOCALE“-Diskette im internen Diskettenlaufwerk. Wir könnten sie, um uns ein paar Diskettenwechsel im Laufe der Installation zu sparen, auch in eines der drei „externen“ Laufwerke „DF1:“ bis „DF3:“ legen, aber ich möchte es hier möglichst einfach halten.

Mit einem Klick auf „OK“ verlassen wir das Menü und setzen die Emulation und damit die Installation fort.

Der Amiga erkennt den Diskettenwechsel automatisch, wir brauchen also nicht auf den „Retry“-Button zu klicken, der Installationsvorgang wird nach jedem Diskettenwechsel selbstständig fortgesetzt, man sollte dem Amiga nur ein paar Augenblicke Zeit dazu geben, die Diskette im Laufwerk zu identifizieren.

Als nächstes möchte das Installationsskript wieder die „Install“-Diskette haben – ich verzichte auf weitere Screenshots zum Diskettenwechsel – das Prozedere sollte ja jetzt bekannt sein.

Nach weiteren wenigen Augenblicken begrüßt uns ein Fenster zum Festplatten-Installationsprogramm von AmigaOS 3.1.

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In unserem Fall installieren wir AmigaOS 3.1 natürlich von Grund auf neu und fahren mit einem Klick auf „Weiter“ fort.

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Der Installer erkennt ganz offensichtlich nicht automatisch, dass in unserem Fall noch keine Installation von AmigaOS auf der Festplatte vorhanden ist und so teilen wir dem Installer das eben mit, indem wir auf „Version 3.1 installieren“ klicken.

Bei der folgenden Frage nach der Wahl des Installationsmodus kann ich nur empfehlen, es bei „Einsteiger“ zu belassen und über einen Klick auf „Weiter mit Installation“ fortzufahren!

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Nun werden wir gefragt, welche Sprachen wir installieren möchten. Der Plural ist korrekt – es lassen sich hier auch mehrere Sprachen auswählen, zwischen denen wir dann später im laufenden System nach Herzenslust wechseln können.

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Wer also zum Beispiel neugierig ist, wie die Menüs der Workbench im Englischen lauten oder grundsätzlich lieber mit einem englischsprachigen System arbeitet, wählt hier „English“ einfach mit dazu. Wie aber im letzten Schritt gelernt, lassen sich zusätzliche Sprachen auch nachträglich noch installieren. Mit „Weiter“ fahren wir im Installationsskript fort.

Es folgt die Auswahl eines oder mehrerer Druckertreiber.

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In Anbetracht der Tatsache, dass die Liste der zur Auswahl stehenden Drucker aus dem Jahr 1994 stammt und sich Treiber (auch für neuere Drucker) jederzeit nachträglich installieren lassen, fahren wir ohne eine Auswahl zu treffen mit „Weiter“ fort.

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Bei der Auswahl der Tastaturbelegung ist es wie bei den Sprachen – auch hier können wir mehrere auswählen und später im Betriebssystem wechseln. Im Gegensatz zum Commodore 64 verfügt der Amiga 1200 tatsächlich über länderspezifische Tastaturen (QWERTZ/QWERTY etc.) – wir sollten also mindestens das Layout wählen, welches unserem echten Amiga 1200 entspricht.

Nach der Bestätigung der Auswahl mit „Weiter“ lädt das Installationsskript noch etwas von der Diskette und fordert uns bald dazu auf, die Diskette „Amiga Workbench Version 3.1“ ins Laufwerk zu legen. Auch diese ist natürlich Bestandteil unseres Diskettensatzes, also kommen wir der Aufforderung gerne nach.

Auch jetzt gilt – das Installationsprogramm erkennt den Diskettenwechsel automatisch und führt die Installation ebenso selbstständig fort, es dauert halt immer nur ein paar Sekunden. Ein Klick auf „Weiter“ ist jedenfalls nicht nötig!

Nun werden diverse Ordner und Dateien von der Workbench-Diskette auf die Systempartition unserer Festplatte kopiert.

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Das rot gefärbte „HD“ am unteren Rand zeigt an, dass gerade auf die Festplatte geschrieben wird und der Mauszeiger verwandelt sich in eine Stoppuhr, solange der Amiga Daten auf die Platte schaufelt.

Die nächste Diskette, die vom Installationsprogramm verlangt wird, ist wieder mal die „Amiga Locale Version 3.1“ und so setzt sich das fröhliche Kopieren von Ordnern und Dateien auf die Festplatte fort. Es folgen im Verlauf des Installationsvorgangs noch die Disketten „Extras“, „Fonts“ und „Storage“, bevor wir zum wirklich allerletzten Mal die „Install“-Diskette einlegen und kurze Zeit darauf die Installation von AmigaOS 3.1 auf unserer Festplatte beendet ist.

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Fertig! Man beachte auch das schicke neue Festplatten-Icon unserer „System(DH0)“-Partition. 😉

Wir lesen uns die Anweisungen und Hinweise im letzten Fenster in Ruhe durch, entnehmen die „Install“-Diskette aus dem Laufwerk, indem wir auf den „Eject“-Button beim Laufwerk „DF0:“ klicken und mit „OK“ wieder zur Emulation zurückkehren. Dann starten wir den Amiga wie gewünscht durch einen Klick auf „Weiter“ neu.

Jetzt fährt unser Amiga zum ersten Mal von unserer CompactFlash-Festplatte hoch – zeige mir einer ein Windows-, Linux- oder Mac OS-System, das schneller bootet. 😉

Schauen wir uns doch mal den Inhalt von „System(DH0)“ per Doppelklick auf das Festplatten-Icon an. Dort finden wir neben dem Papierkorb sieben Ordner mit Schubladen-Icon sowie den Ordner „Prefs“ mit einem großen schwarzen Fragezeichen im Icon. Je nach Fenstergröße muss ggf. mit den Balken am rechten und unteren Rand gescrollt werden, um den ganzen Inhalt zu überblicken oder wir vergrößern das Fenster mit dem kleinen Dreieck in der rechten unteren Ecke so weit, dass sein gesamter Inhalt angezeigt wird. Ein Blick auf den oberen Rand des Fensters verrät zudem, dass unser frisch installiertes AmigaOS 3.1-Betriebssystem mit gerade mal 3 MB Speicherplatz auf der Festplatte auskommt. Da ist also noch genug Luft nach oben. 😉

Wir erinnern uns jetzt an die letzten Hinweise, die uns der Installer mit auf den Weg gegeben hat und öffnen den Ordner „Prefs“ – das steht für „Preferences“, was mit „Einstellungen“ übersetzt werden kann.

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Hier finden sich eine ganze Reihe von Tools, mit denen sich grundlegende Systemeinstellungen vornehmen lassen sowie das Erscheinungsbild unserer Workbench individuell gestaltet werden kann. Widmen wir uns zunächst den Einstellungen unter „Locale“ durch einen Doppelklick auf das entsprechende Icon.

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Hier nehmen wir länder- und sprachspezifische Einstellungen vor. Zunächst stellen wir die bevorzugte Sprache unserer Workbench auf „Deutsch“, indem wir sie im Kasten „Available Languages“ durch einen Klick mit der linken Maustaste auswählen, woraufhin sie unter „Preferred Languages“ gelistet wird. In der Liste unter „Country“ scrollen wir anschließend ebenfalls, bis wir „Deutschland“ durch einen Klick auswählen können. Schließlich klicken wir auf der Weltkarte genau ins Herz von Europa, um die Zeitzone („Time Zone“) auf „1 Hours from GMT“ einzustellen.

Mit einem Klick auf „Save“ speichern wir unsere vorgenommenen Einstellungen und verlassen den „Landes-Voreinsteller (Locale)“ – so übersetzt es die Amiga-Workbench ganz offiziell, wie wir feststellen können, wenn wir „Locale“ jetzt noch einmal öffnen.

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Wie wir sehen, spricht unsere Workbench jetzt Deutsch. Auch die Pulldown-Menüs sind lokalisiert, probieren Sie es aus!

Grundsätzlich verfügt jeder einzelne „Voreinsteller“ im „Prefs“-Ordner über die Schaltflächen „Speichern“ und „Benutzen“. Mit „Benutzen“ werden vorgenommene Einstellungen zwar sofort angewandt, sind aber nach einem Neustart des Amiga wieder zurückgesetzt. Das ist sehr praktisch, wenn man an den Einstellungen gefahrlos herumspielen und etwas ausprobieren möchte. Nur mit einem Klick auf „Speichern“ werden unsere Einstellungen dauerhaft übernommen und sind auch nach einem Neustart des Computers noch wirksam.

Im Voreinsteller „Input“ stellen wir dann noch die Tastaturbelegung unseres Amiga 1200 auf „Deutsch“ und speichern unsere Einstellung ab. Das ist alleine schon unter WinUAE praktisch, vorausgesetzt, es handelt sich um ein Windows-System mit deutscher Tastatur. Aber selbst wenn das Tastaturlayout von Emulationsumgebung und echtem A1200 abweichen sollte, ist dies kein Problem – die Belegung lässt sich ggf. jederzeit unter „Input“ anpassen.

Die Einrichtung der CF-Festplatte ist damit abgeschlossen. Bevor wir sie endlich im Amiga ausprobieren, nehmen wir uns noch kurz Zeit für ein paar Hinweise hinsichtlich des weiteren Handlings unter Windows und WinUAE.

Beenden wir zunächst WinUAE (F12 und dann auf „Quit“ klicken) und entnehmen dann die CF-Karte aus unserem System, so wie wir es von USB-Sticks und anderen externen Wechseldatenträgern gewohnt sind. Also nicht einfach aus dem Slot ziehen, sondern vorher im System sicher entfernen / auswerfen.

Stecken wir die Karte wieder in den Slot / Kartenleser, erkennt Windows diese jetzt nicht mehr als brauchbaren Datenträger und fragt daher, ob wir ihn formatieren möchten.

windows_meldung_amiga_cf

AUF KEINEN FALL sollten wir dies tun, es sei denn, wir wollen von vorne anfangen. Also immer schön auf „Abbrechen“ klicken. 😉

Unter meinem Windows 10-System erscheint daraufhin noch folgende Meldung.

windows_meldung_amiga_cf_2

Tja, liebes Windows, das Amiga Fast File System kann halt nicht jeder (er)kennen. 😉

Schließen wir diesen ignoranten Hinweis also einfach mit „OK“ und fahren fort, indem wir WinUAE starten.

Wenn wir jetzt unter „CD & Hard Drives“ auf „Add Hard Drive…“ klicken und durch die Laufwerksliste scrollen, finden wir unsere CF-Festplatte ab sofort ganz einfach anhand des vorangestellten „[RDB]“.

rdb_cf_card

RDB steht für Rigid Disk Block und ist das Amiga-Gegenstück zum bereits erwähnten MBR bei Festplatten von PC-Systemen.

Jetzt wird es spannend – funktioniert unsere Festplatte auch im echten Amiga 1200?!

Beenden wir also WinUAE, werfen die CompactFlash-Karte aus und stecken sie in den CF-IDE-Adapter – natürlich bei ausgeschaltetem Amiga, das sollte selbstverständlich sein.

Danach schalten wir den A1200 ein und warten nur wenige Sekunden. Läuft! 🙂

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„The Real Thing“ – das frisch installierte AmigaOS 3.1 auf der CF-Festplatte im Amiga 1200.

Damit wäre das Tutorial abgeschlossen. Ich hoffe, dass ich es einigermaßen verständlich sowie interessant formuliert habe und vielleicht beim ein oder anderen das Interesse geweckt habe, den alten Amiga vom Speicher zu holen oder sich (wieder) einen zuzulegen. Dann hätte sich die Arbeit nämlich schon gelohnt. 🙂

Weiterführende Empfehlungen und Tipps

Wer tiefer in die Materie eintauchen, ungeahnte Möglichkeiten entdecken und noch viel mehr aus seinem Amiga 1200 herausholen möchte, für den habe ich hier noch ein paar Tipps parat.

Classic Workbench

Selbstverständlich kann man sich die Mühe machen, sein AmigaOS-System ganz individuell zu gestalten und zu erweitern. Dafür steht eine schier unübersichtlich große Auswahl an Free- und Sharewareprogrammen für den Amiga zur Verfügung. Alleine im Aminet könnte man tagelang stöbern und immer wieder Neues entdecken. Die Installation auf dem Amiga setzt allerdings schon gewisse Kenntnisse im Umgang mit dem über zwanzig Jahre alten Betriebssystem voraus.

Wer nicht über tiefer gehende AmigaOS-Kenntnisse verfügt oder wem einfach Zeit und Muße fehlen, sich erst mal einen Überblick darüber zu verschaffen, welche Tools, Erweiterungen und Programme wirklich nützlich sind, findet in der Classic Workbench die perfekte Lösung.

classic-workbench-advsp-os310
Screenshot der Classic Workbench (ADVSP, basierend auf AmigaOS 3.1)

Die Classic Workbench (ich beziehe mich im Folgenden auf die ADVSP-Version) ist, einfach ausgedrückt, ein vorkonfiguriertes AmigaOS mit einer Auswahl aufeinander abgestimmter Komponenten, die kaum noch Wünsche offen lassen, wenn es ums Arbeiten mit dem Betriebssystem geht. Die wohl wichtigste Komponente, zumindest was das Erscheinungsbild der Classic Workbench anbelangt, stellt Scalos dar. Dieser Ersatz für die Amiga Workbench wurde ab 1999 als kommerzielles Produkt vertrieben und ist seit 2012 Open Source Software.

Nicht mehr missen möchte man nach sehr kurzer Zeit auch den Dateimanager Directory Opus (Dopus), vom Prinzip her vergleichbar mit dem beliebten Total Commander.

Außerdem ist in die Classic Workbench bereits WHDLoad integriert, auf das ich weiter unten noch genauer eingehe.

Die Classic Workbench ist in verschiedenen „Konfektionsgrößen“ (Versionen) verfügbar, die den verschiedenen Amiga-Modellen sowie möglichen Ausbaustufen (Turbokarten/Speichererweiterungen) Rechnung tragen. Ein guter Überblick darüber, welche Classic Workbench für welchen Amiga geeignet ist, findet sich hier.

Voraussetzung für die Installation der Classic Workbench ist das Vorhandensein eines original AmigaOS in der Version 2.0, 3.0, 3.1, 3.5 oder 3.9 und obschon eine Installation direkt auf der originalen Hardware möglich ist, gestaltet sich die Einrichtung unter WinUAE doch deutlich einfacher und komfortabler.

Eine wirklich wunderbare, auch für den Laien verständliche Videoanleitung zur Installation der Classic Workbench auf einer CompactFlash-Festplatte für den Amiga 1200 hat Guido Klein aka MIGs Yesterchips erstellt.

Auch ich habe die Classic Worbench auf meinem A1200 vor ein paar Jahren nach dieser Anleitung eingerichtet und kann sie wirklich wärmstens empfehlen. Wie MIG in dem Video selber erwähnt, ist die von ihm beschriebene Installation nicht die einzig mögliche Methode, aber ich halte sie für die eleganteste und einfachste.

Auf meinem Amiga 1200 nutze ich übrigens die Classic Workbench ADVSP (basierend auf AmigaOS 3.1) sowie die Classic Workbench OS3x (basierend auf AmigaOS 3.9).

WHDLoad

Wie im vorherigen Abschnitt erwähnt, ist WHDLoad bereits fester Bestandteil der Classic Workbench, aber (imho) von so großer Bedeutung für den Erhalt des Amiga als lebendige Plattform, dass es sich lohnt, an dieser Stelle gesondert darauf einzugehen.

WHDLoad ist eine Entwicklung von Bert Jahn, der bereits seit Mitte der 90er Jahre daran entwickelt und es bis heute tut (die letzte Beta stammt aus dem Juli 2016). Es handelt sich, vereinfacht ausgedrückt, um einen Festplatten-Installer für alte Amiga-Software, in erster Linie für tausende von Spielen sowie die berühmten Demos aus der Szene.

Ein kleiner Exkurs

Die allermeisten Spiele und Demos für den Amiga laden in ihrem originalen Zustand ausschließlich von Diskette und zum Teil unter völliger Umgehung des AmigaOS und seiner Libraries – sie lassen sich aus dem Betriebssystem (Workbench) heraus also gar nicht erst ausführen, sondern werden direkt nach Einschalten des Computers von der Diskette geladen.

Eine weitere Hürde und ein großes Ärgernis für viele Amiga-User damals stellen Inkompatibilitäten vieler Programme aufgrund der verschiedenen Revisionen der Chipsätze und des AmigaOS dar. Vor allem nach der Einführung des Amiga 500 Plus mit dem Enhanced Chip Set und AmigaOS 2.0 gab es so große Probleme, dass viele Besitzer dazu übergingen, Umschaltplatinen auf Kickstart 1.3 in ihren Computer einzubauen.

WHDLoad stellt sozusagen eine Schnittstelle zwischen dem AmigaOS, auf dem es installiert ist und der Software (Spiel, Demo, etc.) dar, die gar nicht aufs OS zurückgreift und ermöglicht es so, die Software direkt von der Festplatte aus und innerhalb einer eigenen, angepassten Umgebung zu starten und nach dem Beenden wieder ohne Reset und Abstürze zum Betriebssystem zurückzukehren.

Eine für WHDLoad adaptierte Software nennt sich „Install“ – für diesen muss ein sogenannter „Slave“ geschrieben werden, der wiederum eine Schnittstelle zwischen der auf der HD installierten Software und WHDLoad darstellt. Rund um den Globus finden sich Amigianer, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Slaves für eine immer größer werdende Bibliothek an Amiga-Software zu schreiben und die Installs der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Da die Installs nicht den Code der Originalsoftware enthalten und diese während der Installation bereitgehalten werden muss, werden keine Copyrights verletzt.

Auf diese Weise ermöglicht es WHDLoad beispielsweise, Spiele und Demos auf einem Amiga 1200 mit AGA-Chipsatz und OS 3.1 laufen zu lassen, die ursprünglich für den Amiga 500 mit OCS Chipsatz und OS 1.2 geschrieben wurden und in ihrem Originalzustand gar nicht zum Amiga 1200 kompatibel sind.

So stehen dem Anwender auf einem einzigen Amiga-System tausende von Programmen zur Verfügung, die sich bequem aus dem laufenden Betriebssystem heraus von der Festplatte starten und beenden lassen.

WHDLoad hat in dieser Hinsicht einen nicht zu unterschätzenden Beitrag dazu geleistet, der Nachwelt eine riesige und stetig wachsende Bibliothek von Amiga-Software zu erhalten. Wenn dies keine gesonderte Erwähnung wert ist, was dann?! 🙂

PD Image Creator

Ein unschätzbar wertvolles Tool, wenn man mit CF-Festplatten im Amiga und unter WinUAE hantiert, ist der „Physical Drive Image Creator“ von LHS/Padua.

Mit diesem kleinen Win32-Tool (Freeware) lassen sich 1:1 Abbilder einer kompletten CF-Festplatte inklusive aller Partitionen sichern und bei Bedarf zurückspielen. Das Backup einer 4 GB großen CF dauert ungefähr zwei Minuten, je nach PC-System. Das Zurückspielen braucht für gewöhnlich etwas länger.

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Backup unserer frisch eingerichteten CF-Festplatte auf dem Windows-PC.

Das Zurückspielen eines Backups auf ein- und dieselbe CompactFlash-Karte funktioniert meinen Erfahrungen nach absolut reibungslos. Enttäuscht wurde ich nur, als ich versucht habe, mein Backup auf eine CF-Karte eines anderen Herstellers zu übertragen. Diese wies zwar die gleiche Größe (4 GB) auf, aber der PD Image Creator nimmt es da offensichtlich aufs Byte genau! Wenn man also plant, mit mehreren CF-Festplatten zu hantieren, sollte man nicht querbeet drauflos kaufen, sondern auf Karten vom selben Typ und Hersteller setzen.

Es kommt aber noch besser: in WinUAE lassen sich die so erstellten Backups ebenfalls als Festplatte einbinden, in Form eines sogenannten Hardfiles.

winuae-hardfile
Einbinden des soeben erstellten Backups (.hdd) als Festplatte (Hardfile) unter WinUAE.

Somit besteht die Möglichkeit, das Amiga-System auch auf Rechnern zu verwenden, die über gar keinen Slot oder Kartenleser für CF-Karten verfügen. Auch ist dies eine ideale Lösung, um ganz in Ruhe herumzuprobieren, ohne die Installation auf der Festplatte selbst zu gefährden. So kann man Programme installieren, Änderungen am System vornehmen und schließlich das komplette System mit dem PD Image Creator zurück auf die CF-Festplatte spielen, um diese im echten Amiga oder unter WinUAE weiter zu verwenden.

CompactFlash-IDE-Adapter als externe Wechselfestplatte

Wer bei dem Foto am Ende des Tutorials ganz genau hingeschaut hat, dem wird vielleicht schon aufgefallen sein, dass ich meinen CF-IDE-Adapter inzwischen aus dem Innern des Amiga 1200 nach Außen verfrachtet habe.

Mittlerweile hantiere ich nämlich mit mehreren CF-Festplatten und verschiedenen AmigaOS-Installationen herum und hatte das Gehäuse meines A1200 schon gar nicht mehr fest verschraubt, um so schneller an den Adapter zu gelangen.

Das war auf Dauer natürlich keine befriedigende Lösung und so machte ich mir den Umstand zunutze, dass ich die PCMCIA-Schnittstelle auf der linken Seite des A1200 nicht wirklich brauche.

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So habe ich das Flachbandkabel vom IDE-Anschluss aus durch die Öffnung der PCMCIA-Schnittstelle nach Außen geführt.

Ich besorgte mir also ein längeres (22 cm) IDE44-Kabel und konnte es mit etwas Geduld und Geschick so durch den Schlitz des PCMCIA-Schachts führen, dass die Feile im Werkzeugkoffer bleiben konnte. Ein kleiner Tipp: zuerst mit der schmalen Seite des Abgriffes am Kabelende ansetzen und dieses so vom Inneren des Gehäuses nach Außen führen.

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Mit nur wenigen Handgriffen zur externen Festplatte am A1200.

Anschließend konnte ich den Adapter wieder ans Ende des IDE-Kabels anschließen und den Amiga endgültig wieder fest verschrauben. So ist es mir möglich, jederzeit und ohne Aufwand die CF-Festplatten untereinander auszutauschen oder sie zu entnehmen, um unter WinUAE weiter zu arbeiten. Auch Datentransfers sowie die Installation neuer Programme nehme ich auf diese Weise vor. Für mich eine absolut zufriedenstellende Lösung.

So, und jetzt mache mir ein Weizen auf, haue mich auf die Couch und ziehe mir ein paar Klassiker aus der Amiga-Demoszene rein. 😉

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4 Gedanken zu “Warum der A1200 der perfekte Retro-Amiga für mich ist

  1. So Stephan, jetzt habe ich mir endlich Zeit zum lesen Deinen Schwergewichts genommen 😉 Ich muss sagen, ich hatte schon Respekt davor.

    Ein großartiger Text, vor allem Dingen für Menschen, die in die Ära Amiga 2.0 einsteigen wollen! Du gibst alles an die Hand, was man für einen nachhaltigen Neustart braucht. Die Fotos sind so lecker, dass man am liebsten sofort loslegen möchte.

    Wirklich beachtlich, was die heutige Zeit alles an Upgrades und Verbesserungen ermöglicht. Ich habe bisher nur meinen C64 mit einem SD2IEC aufgemöbelt und allein das schon ist eine tolle Sache, weil man die „alte Kiste“ nun viel öfter mal für ein Spielchen einschaltet.

    Danke für Deinen Text und dass Du ihn mit uns teilst!

    Gefällt mir

    1. Hallo André!

      Freut mich wirklich sehr, dass dir der Artikel gefällt, auch wenn er zugegeben doch etwas lang geraten ist. Mir fiel beim Schreiben immer mehr ein, was noch erwähnt werden und worauf ich mehr im Detail eingehen sollte. Mehr, als mir am Ende lieb war, aber ich konnte und wollte nicht mehr kürzen.

      Vielleicht gehe ich den nächsten Artikel etwas strategischer an. 😉

      Gefällt 1 Person

  2. Hallo,

    wollte auch nur schreiben, dass der Beitrag super und verständlich zum Nachmachen ist.
    Ich habe mal mein Amiga nach mehr als 10 Jahren aus dem Keller geholt. Die 2,5 Zoll Festplatte geht nicht mehr, also habe ich mir den IDE Adapter mit vorinstalliertem OS 3.1. auf der CF Karte von Cloanto bestellt. Ziel ist, Ihn wieder Internetfähig zu machen. Ich habe gesehen, dass es PCMCIA Lösungen für eine WLan Karte gibt.

    Gefällt 1 Person

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